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Pressemitteilung
Podiumsdiskussion 09-03-06

Rektor als Zwischenrufer

PLOCHINGEN: Gymnasiasten diskutieren lebhaft mit Landtagsakandidaten - Bemerkungen über Lehrer ärgern Schulleiter
Es ist gar nicht so einfach, vier Landtagskandidaten in geordnete Diskussionsbahnen zu lenken. Diese Erfahrung machten die Schülerinnen und Schüler, die im Gymnasium Plochingen eine Podiumsdiskussion organisierten. Im Mittelpunkt standen die Bildungs- und die Umweltpolitik.
Von Karin Ait Atmane

Eingeladen hatte die "Initiative für politische Bildung" (IPB) am Gymnasium, in der vor allem Oberstufenschüler aktiv sind. Sie wollen politische Vorgänge nicht einfach unbemerkt an der Schule vorbeiziehen lassen und zudem den persönlichen Kontakt mit Politikern ermöglichen. Vier Landtagskandidaten aus dem Wahlkreises kamen: Karl Zimmermann (CDU), Carla Bregenzer (SPD), Henning Schürig (Ersatzkandidat für Erdrich-Sommer, Grüne) und Frank Schweizer (FDP). Im Lichthof blieben zwar einige Sitzreihen frei, aber dass die gut 70 Zuhörer größtenteils Schülerinnen und Schüler waren, freute die Organisatoren. Neben den Moderatoren Florian Klug und Ali Achahboun saßen vier weitere Oberstufenschüler am Podium, um gezielte Fragen zu stellen. So berichtete Maren aus der 13. Klasse, die ehrenamtlich in der Jugendarbeit tätig ist, dass seit Einführung des achtjährigen Gymnasiums "immer weniger Kinder zur Jungschar kommen, weil sie es zeitlich nicht schaffen". Außerdem wachse die Unlust, überhaupt ein Gymnasium zu besuchen.
Bei den Politikern waren die Positionen zu G8 klar. Bregenzer diagnostizierte einen "falschen Schnellschuss", bei dem die Lernfreude auf der Strecke bleibe. Zimmermann sah alles nur im Wahlkampf hochgekocht. Schürig forderte grundsätzliche Reformen des Schulsystems und der Lernmethoden. Schweizer, der am gesamten Abend immer wieder eine vermittelnde Rolle einnahm, sah die Wahrheit "irgendwo in der Mitte" liegen, die Wogen würden sich schon glätten.

Späterer Schulbeginn verlockend
Ein Schüler fand den späteren Schulbeginn, wie ihn der Ministerpräsident angesprochen hatte, verlockend. Das könne jede Schulkonferenz schon jetzt entscheiden, meinte Zimmermann, ebenso wie über möglichen Samstagsunterricht. Dann brauche man aber eine Ganztagesschule und Geld dafür, hielt Schürig dagegen.
Intensiv stiegen die Zuhörer beim Thema Oberstufenreform ein. Jetzt "hocken alle Schüler von schlecht bis sehr gut im gleichen Mathekurs", sagte einer: Das widerspreche der individuellen Förderung. Ob es nicht sinnvoll wäre, zentrale Klassenarbeiten zu stellen, fragte ein anderer. Eine Schülerin bemängelte: "Es ist ein großes Manko der neuen Oberstufe, dass der Erfolg ganz arg auf die Lehrer ankommt."
Bemerkungen über die Qualität von Lehrern, die die berufliche Zukunft von Schülern gefährdeten, brachten den unter den Zuhörern sitzenden Rektor Arne Rentzsch in Rage. "Ich finde das fast unerträglich, in welcher Art Sie von Schule reden", rief er nach einer Bemerkung Zimmermanns über schlechte Pädagogen. Das sei Stammtischgerede. Der Schulleiter überraschte mit diesem Ausbruch auch seine Schüler, während Zimmermann gekränkt reagierte und den Rest des Abends etwas angeschlagen wirkte. Das könnte auch an den Themen gelegen haben.

Moderatoren ringen ums Wort
Denn in Punkto Studiengebühren hatte "Rot-Grün" in diesem Umfeld ebenso den besseren Stand wie in umweltpolitischen Fragen, wo die beiden Kandidaten auf bundespolitische Erfolge verweisen konnten. Publikum wie Podium diskutierten lebhaft. Und für die Moderatoren, die auch mal verzweifelt ums Wort rangen, während der CDU-Mann und die SPD-Frau gleichzeitig redeten, war der Abend eine Erfahrung der besonderen Art.

Samstag, 11.03.2006 (Esslinger Zeitung)